Pädagogisches Konzept
Das besondere pädagogische Interesse in Theorie und Schulwirklichkeit
Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 21. April 2009 um 15:04 Uhr Geschrieben von: Viktor von Blumenthal Freitag, 10. April 2009 um 10:36 Uhr
Das besondere pädagogische Interesse der Montessori-Initiative-Marburg e.V. besteht darin, Kindern eine ungestörte individuelle Entfaltung ihrer Begabungen zu ermöglichen. Es sollen Möglichkeiten geschaffen werden, die jedes Kind optimal fördern. Gleichermaßen haben wir auch die Sozialwerdung des Menschen mit den Strukturen und Inhalten unserer Schule im Blick. Der voll entfalteten, sozialkompetenten Persönlichkeit als verantwortungsfähigem Mitglied unserer Gesellschaft dienen unsere Bemühungen.
Die reformpädagogische Konzeption Maria Montessoris entspricht in ihrer Anthropologie, ihrer Methode und den Lernmaterialien diesem Anliegen.
Nach Maria Montessori vollzieht sich die Entwicklung des Kindes nach einem inneren individuellen Plan/Bauplan und in individuellem Tempo, welches das Kind selbst bestimmt. Dadurch entfaltet sich jedes Kind anders. Für unsere Schule folgt daraus, dass nicht alle Kinder zur selben Zeit das Gleiche lernen können. Kindern ihre Zeit für ihre individuellen Lernprozesse zu lassen, ist ein wesentliches Förderkriterium.
Gleichzeitig trägt nach Montessori jedes Kind Kräfte in sich, die diese Entfaltung vorantreiben. C. G. Jung beschreibt diese Energien als Individuationskräfte des Menschen (C.G. Jung, Die Psychologie des Kinderarchetypus, GW 9/1, Olten 1971-81, S.177). Das Bedürfnis, sich weiterzuentwickeln, äußert sich in sensiblen Phasen, in denen sich die Aufmerksamkeit des Kindes auf bestimmte Ausschnitte seiner Umgebung richtet. In diesen Phasen eignet sich das Kind Sachverhalte sehr leicht und ganzheitlich an. Montessori spricht von sensiblen Phasen für Ordnung, Sprache und Bewegung. Ein Kind braucht zum Beispiel die wiederkehrende Ordnung in seinem Tagesablauf und die feste Ordnung in seinem Zimmer, um seine Umwelt zu erforschen und darin eine Beziehung zwischen den Dingen herstellen zu können. Es erarbeitet sich einen Orientierungsrahmen, der ihm Sicherheit gibt.
Für unsere Schule folgt daraus, dass es einen ritualisierten Tagesablauf und eine zweckmäßige, beständige Ordnung innerhalb der Lernmaterialien und der gesamten Lernumgebung gibt(s. Vorbereitete Umgebung).
Weitere Bausteine der Montessori-Pädagogik sind die Selbstständigkeit und die Selbstverantwortung des Kindes. Die kindliche Entwicklung zielt von Anfang an darauf, durch Selbsttätigkeit Unabhängigkeit vom Erwachsenen zu erwerben. Montessori hat den Anspruch des Kindes „Hilf mir, es selbst zu tun!“ zur Leitmaxime ihrer Pädagogik gemacht.
Maria Montessori hat Materialien entwickelt, die das Kind zur Polarisation der Aufmerksamkeit führen. Damit gemeint sind tiefe Konzentration, Versunkenheit oder Einssein mit dem Lerngegenstand. In und durch die Polarisation der Aufmerksamkeit vollzieht sich die Entwicklung des Kindes nach seinem individuellen Plan. Das Lernmaterial bietet die Möglichkeit, eine Tätigkeit beliebig oft zu wiederholen, bevor sich das Bedürfnis einstellt, sich neuen Aufgaben zuzuwenden. Dafür ist die freie Wahl der Tätigkeit im Rahmen der Freiarbeit Voraussetzung. Nach der Einführung in neues Material durch den/die Lernbegleiter/in arbeitet das Kind selbstständig mit dem von ihm gewählten Material, bis es die in ihm enthaltenen Lernziele zu seiner Zufriedenheit erreicht hat.
Durch die Altersmischung innerhalb einer Lerngruppe wird das soziale Lernen besonders gefördert. Kinder mit gleichem Entwicklungsstand aber unterschiedlichen Alters können ebenso zusammenarbeiten, wie Kinder unterschiedlicher Entwicklungsstufen sich gegenseitig helfen und unterstützen. Jedes Lernmaterial ist in begrenzter Anzahl vorhanden, was vielfältige Absprachen und Vereinbarungen nötig macht.
Die Ergebnisse heutiger neurobiologischer Forschungen bestätigen die Effektivität von Lernprozessen, die durch die Bedingungen initiiert werden, die Maria Montessori bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts beschrieben hat.
„Nicht nur die Fähigkeit, ständig Neues hinzuzulernen, sondern auch die Lust, immer Neues zu entdecken, bringen Kinder mit auf die Welt. Sie ergibt sich aus dem Umstand, dass das kindliche Gehirn für die nutzungsabhängige Herausforderung bestimmter Verschaltungsmuster auf ein möglichst breites Spektrum unterschiedlicher Anregungen angewiesen ist. Die geeignetsten Anregungen für noch zu verknüpfende bzw. zu stabilisierende Verschaltungen sind diejenigen, die das Kind von innen, also aus sich selbst heraus entwickelt. Diese vom Kind selbst in Gang gesetzte Suche nach Neuem hat nämlich gegenüber allen von außen herangetragenen Anregungen einen entscheidenden Vorteil: Weil das Kind auf der Grundlage seiner bisher bereits erlernten und im Hirn verankerten Fähigkeiten und Fertigkeiten selbst darüber bestimmt, was es an Neuem sucht und was es interessiert, können die unter diesen Bedingungen gemachten Lernerfahrungen besonders gut an das bereits vorhandene Wissen angeknüpft, können die bestehenden Verschaltungsmuster besonders gut erweitert werden. Bei der Suche nach Neuem herrscht im Gehirn eine gewisse Unruhe, Erregung und Spannung. Diese wird durch das Erfolgserlebnis plötzlich aufgelöst. Immer dann, wenn im Hirn aus Durcheinander Ordnung, aus Erregung Beruhigung wird, entsteht ein Gefühl von Wohlbehagen und Zufriedenheit. Dadurch bekommt es um so größere Lust sich erneut auf die Suche zu machen“ (G. Hüther, 2005 in: EBH Elternbrief Nr. 83, S. 4-6).
Weitere Beiträge...
- Die Begründung einer sechsjährigen Grundschule durch das Entwicklungsphasenmodell von Maria Montessori
- Die Vorbereitete Umgebung
- Das didaktische Material
- Die Freiarbeit
- Der/die Lernbegleiter/in
- Gemeinsamer Unterricht
- Die Altersmischung
- Die Aufteilung in die Lerngruppen 1-3 und 4-6
- Freiheit und Grenzen
- Rituale
- Nachweise zum Entwicklungs- und Lernprozess / Leistungsfeststellung
- Das Ganztagsangebot
- Der Schulvormittag
- Mittagessen, Betreuung und Angebote
- Sich informieren und sachbezogen verständigen


